Jubiläumsfest
Am 23. April 1826 erfolgte in Zams ein zukunftsweisender Schritt: Mit der feierlichen Übernahme des ehemaligen Krankenhauses, das zugleich Mutterhaus war, sowie der symbolischen Schlüsselübergabe an die erste Ordensschwester und Generaloberin Sr. Josefa Nikolina Lins wurde die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern von Zams offiziell begründet. Seitdem steht der Orden für gelebte Barmherzigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und professionelles Engagement für Menschen. Was einst als mutige Antwort auf konkrete Not begann, hat sich zu einem weit verzweigten Werk entwickelt, das im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen bis heute maßgeblich verankert ist. Mit einem Gottesdienst, einem Festakt, der Präsentation einer Festschrift sowie einer Ausstellung wurde die ereignisreiche Ordensgeschichte und ihre prägenden Persönlichkeiten hervorgehoben – als würdiger Rückblick auf eine beeindruckende Entwicklung und zugleich als klares Bekenntnis zum Auftrag der Zukunft.
Ein feierlicher Auftakt für 200 Jahre gelebte Barmherzigkeit! Mit einem berührenden Gottesdienst in der Mutterhauskirche haben wir unser großes Jubiläum begonnen.
Wir blicken voller Dank auf Gottes Führung zurück. Ein Weg im Zeichen des Segens - von der Grundsteinlegung 1811 über die schwierigen Anfangsjahre bis zur offiziellen, symbolischen Schlüsselübergabe an Sr. Josefa Nikolina Lins am 23. April 1826. Was mutig in Zams begann, ist heute ein lebendiges Netzwerk der Nächstenliebe, das bis nach Peru reicht.
Bischof Hermann Glettler ermutigte uns in seiner Predigt, den „neuen Gesichtern von Armut“ auch in Zukunft mit Mut und Zuversicht zu begegnen. Ein würdiger Moment des Innehaltens, bevor der Festakt begann.
200 Jahre unter Seinem Schutz. Wir danken allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, die diesen Weg mit uns teilen!
Beim anschließenden Festakt begrüßte Generaloberin Sr. MMag.a Dr.in Barbara Flad die zahlreichen Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Sowohl die musikalische Gestaltung durch das Kaufmann Quartett wie auch die inhaltliche Tiefe betonten die große Bedeutung des Jubiläums.
Im Katharina Lins Saal hingen Geigen von der Decke, die einst von den Schwestern selbst und als Schulgeigen gespielt wurden. Von unseren Schülerinnen farbenfroh neu interpretiert, bilden sie einen ‚Himmel voller Geigen‘, der zeigt: Tradition verstummt nicht – sie bekommt nur einen neuen Klang.
Diesen besonderen Klang machte das wundervolle Kaufmann Quartett (1826–2026) hautnah spürbar. Mit Meisterwerken von Mozart, Borodin, Vivaldi und Kreisler hauchten sie dem Jubiläum Leben ein und schlugen eine meisterhafte Brücke zwischen den Jahrhunderten.
Die Festrede hielt der ehemalige Caritas-Direktor Georg Schärmer. Er würdigte den nachhaltigen Beitrag des Ordens im Sozial- und Gesundheitsbereich. „Barmherzigkeit ist keine Gefühlsanwandlung, sondern mutiges, beharrliches und radikales Handeln auf der Höhe der Zeit und auf der Höhe des Evangeliums. Die Barmherzigen Schwestern in Zams tun dies unermüdlich und widerstandsfähig. Wann immer das Gesundheitswesen in Tirol ‚krankte‘, hatten die Barmherzigen Schwestern eine kompetente und realisierte Antwort darauf“, betonte Georg Schärmer.
Ein besonderer Höhepunkt war die Präsentation der eigens zum Jubiläum erschienenen Festschrift. Das rund 220 Seiten umfassende Buch ist mehr als eine historische Dokumentation: Es versteht sich als fundierte Gesamtschau von Herkunft, Spiritualität und Entwicklung der Gemeinschaft. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Verflechtungen von Ordens- und Krankenhausgeschichte, die auf einen Ursprung zurückgehen. Die Festschrift führt diese parallelen Linien zusammen und veranschaulicht, wie sich das Wirken der Barmherzigen Schwestern und die Entstehung sowie der Ausbau des Krankenhauses über zwei Jahrhunderte hinweg wechselseitig geprägt und vorangetrieben haben.
Die Publikation verbindet historische Ereignisse, biografische Zugänge und markante Meilensteine zu einem vielschichtigen Gesamtbild. Sie macht die geistlichen Wurzeln ebenso sichtbar wie den institutionellen Aufbau und zeigt, wie sich der ursprüngliche Auftrag – von Zams ausgehend – über Generationen hinweg entfaltet und tief in der Gesellschaft verankert hat.Damit liegt ein Werk vor, das über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben wird – als Ausdruck gelebter Geschichte, als Dokument gewachsener Identität und als wertvoller Impuls für die Zukunft.
Im Anschluss eröffnete Generaloberin Sr. Barbara Flad die Jubiläumsausstellung im Foyer der Katharina Lins Schulen. Exemplarisch wurden zwölf Schwestern „vor den Vorhang“ geholt. In persönlich gestalteten Koffern sind biografische Dokumente, Fotografien und Erinnerungsstücke präsentiert, die auf das Charisma und die Stärke einer Auswahl prägender Ordensfrauen verweisen. Die Ausstellung, mit viel Kreativität und Detailwissen von Sr. Maria Gerlinde Kätzler gestaltet, macht sichtbar, dass sich die Geschichte der Kongregation in den Lebenswegen einzelner Schwestern verdichtet – und dass jede von ihnen auf ihre Weise zum Miteinander, zum Fortbestehen und zur Weiterentwicklung des Auftrags beigetragen hat.
Ein gemeinsamer Gang mit den Festgästen zum Friedhof des Mutterhauses bildete einen stillen und berührenden Moment. In einem Gebet wurde das Vermächtnis der mehr als 3.000 verstorbenen Schwestern in Worte gefasst: „Wir sind Gemeinschaft – wir, die Lebenden und die uns Vorangegangenen. Ihr Leben sei uns Vorbild.“ Dieses Innehalten unterstrich die tiefe Verbundenheit und machte die gewachsene Kraft aus der gemeinsamen Geschichte spürbar.
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Festessen im Mutterhaus.
Das Jubiläum steht nicht nur für die Historie, sondern für die bleibende Kraft, die von den Barmherzigen Schwestern von Zams ausgeht und die heute von vielen Menschen weitergetragen wird.
In der Umsetzung der Werte, des Leitbildes, gewachsen aus ihrem Wirken, das den Menschen ins Zentrum stellt – als Orientierung im Handeln und als Auftrag für die Zukunft.
Wie es in der Festschrift abschließend und zugleich vorausschauend heißt:
„Solange Menschen einander brauchen und einander Halt geben, bleibt der Auftrag der Barmherzigkeit lebendig. Die Spuren und Werte zweier Jahrhunderte mögen weiterleuchten und Generationen auf Wege führen, auf denen Glaube, Mut, Hoffnung und Nächstenliebe Zukunft haben.“